Bericht über die Situation und die Bedürfnisse von Freiwilligen
In der ersten Phase des Projekts CaseWORK fand eine ausführliche Analyse der Situation der Freiwilligen in den beteiligten Ländern statt - Der Bericht hierüber und über die Bedürfnisse der Freiwilligen, die mit Flüchtlingen arbeiten, kann unter casework.eu heruntergeladen werden.
In allen teilnehmenden Ländern (Österreich, Deutschland, Griechenland, Italien und Slowenien) engagieren sich Freiwillige eifrig im Bereich ihrer jeweiligen Unterstützungsaktivitäten. Man könnte sagen, dass diese Freiwilligen "Aktivisten für Solidarität" sind, da sie oft allein durch ihren Wunsch, die Situation der Flüchtlinge und Asylbewerber zu verändern angetrieben werden und nicht nur irgendwelche Leistungen erbringen wollen. Aus dieser Perspektive können einige für das Projekt relevante Gemeinsamkeiten hervorgehoben werden.
Freiwillige berichten von fünf Hauptherausforderungen für ihre Arbeit:
- Sie können nicht an die Stelle öffentlicher Einrichtungen treten, welche nach dem Gesetz angemessen finanziert werden und sich auf die Gewährleistung von Sozialdiensten konzentrieren (diese Sozialdienste sollten eigentlich sowieso erbracht werden, auch wenn Freiwilligenarbeit fehlt).
- Es ist schwierig sicherzustellen, dass das Niveau der ausgeführten Leistungen gleich bleibt.
- Wie man Überschneidungen mit amtlichen Maßnahmen am Besten vermeidet.
- Eine Herausforderung ist den Integrationsprozess durch flexible und persönliche Unterstützung zu fördern, hierdurch die Isolation zu minimieren und Asylbewerbern die Möglichkeit zu bieten, ihr menschliches Potenzial und ihre Fähigkeiten zu entwickeln;
- Es ist schwierig herauszufinden wie man am Besten dazu beitragen kann, den Schutzstandards der am stärksten gefährdeten Gruppen zu verbessern.
Online-Training für Freiwillige?
Die Freiwillige würden gerne an einem Online-Kurs mit allgemeinen Informationen, psychologischer Unterstützung und interkultureller Kompetenz teilnehmen, wenn dieser ihren Bedürfnissen entspricht und in einer flexiblen und leicht zugänglichen Lernumgebung angeboten wird. Sie benötigen eine wirklich flexible Schulung - zeitlich, räumlich und sowie inhaltlich. Die Schulungen sollten nicht obligatorisch oder anspruchsvoll sein, aber als leicht zugängliche Unterstützungsquelle dienen. Nützliche Informationen und Unterstützung sollten daher jederzeit und überall zugänglich sein.
Freiwillige berichten über den Bedarf nach psychologischem Grundwissen und Unterstützung sowie über Informationen über Migration und die vorherrschenden Gründe für diese. Es besteht ein allgemeiner Informationsbedarf über politische und rechtliche Fragen, Recht und Ordnung bzw. Verwaltungsverfahren in Europa und auf nationaler Ebene.
Im Bezug auf zwischenmenschenliche Kompetenzen interessieren sich die Freiwilligen vor allem für den Bereich der interkulturellen Kommunikation und Kompetenzen, für einen praktischen Umgang mit Stress und Konflikten. Die Freiwilligen erwähnten weitere Aspekte die im Zusammenhang mit Toleranz, Offenheit, Empathie oder kulturellem Wissen stehen. Dies deutet darauf hin, dass die Freiwilligen die Notwendigkeit verspüren, ihre Fähigkeit zu stärken, mit kulturellen Barrieren wie politischen und religiösen Überzeugungen, unterschiedlichen Denkweisen und Lebensweisen umgehen zu lernen.
Freiwillige in den beteiligten Ländern sind oft unter 25ig oder über 60ig. Die jüngere Gruppe ist meist im Umgang mit digitalen Medien versiert und hat keine größeren Probleme auf ein Online-Schulungsprogramm zuzugreifen. Ältere Helfer hingegen könnten Schwierigkeiten beim Zugang zu einer Online-Trainingsumgebung haben. Daher muss die Lernumgebung benutzerfreundlich, selbsterklärend und leicht zugänglich sein. Alle Freiwilligengruppen sind mit hohen zeitlichen Einschränkungen konfrontiert, das Online Training muss sich an Zeitkonflikte anpassen, indem es zeitlich und inhaltlich flexibel ist.
Die Unvorhersehbarkeit manch einer Situationen und des spezifischen Kontextes erfordert eine kontinuierliche Aktualisierung und Problemlösungsfähigkeit, weshalb die Trainingsaktivitäten nicht auf einem abstrakten oder zu generalisierenden Ansatz basieren dürfen, sondern an den jeweiligen Kontext angepasst werden müssen. In diesem Sinne ist es wichtig, vor allem Übungen zu benutzen durch die sich das Wissen leicht einprägt wie: Aktionsforschung, Aktionslernen, Geschichtenerzählen und Autobiographien. Aber auch die Organisation und Verbesserung jener zwischenmenschlichen Begegnungen zwischen weniger erfahrenen Freiwilligen und sachkundigeren Helfern , die in den Freiwilligenarbeit (und nicht nur beim sogenannte Lernen durch Vernetzung) üblich sind, ist wichtig.